26. Februar 2026
Fachtagung "Barrierefrei im Kinder- und Opferschutz"
Das Fortbildungsangebot richtete sich an alle in Tirol im Bereich des Kinder- und Opferschutzes tätigen Fachkräfte von Behörden, Einrichtungen, Vereinen und Krankenanstalten. Die diesjährige Tagung stand unter dem Titel „Barrierefrei im Kinder- und Opferschutz“ und beleuchtete nicht nur die baulichen Barrieren für Menschen mit einer körperlichen Behinderung, sondern auch die Barrieren für Menschen mit kognitiven Einschränkungen, psychischen Belastungen, Sinneseinschränkungen und Beeinträchtigungen ihrer sprachlichen und kommunikativen Fähigkeiten.
Nach Begrüßung durch die Soziallandesrätin Eva Pawlata und den Kinder- und Jugendanwalt für Tirol, Lukas Trentini, eröffnete Gerhard Wieser die Fortbildung mit seinem Vortrag „Barrierefreiheit entlang der Servicekette bei Gewaltschutzeinrichtungen“. Gerhard Wieser ist Mitarbeiter in der Beratungsstelle für Barrierefreiheit im Österreichischen Zivilinvalidenverband Tirol. Neben seiner langjährigen Berufserfahrung als Bautechniker ist er zertifizierter Experte für barrierefreies Gestalten gebauter Umwelten und gerichtlich beeideter Sachverständiger für Barrierefreiheit. Im zweiten Vortrag beleuchtete Sara Segat die Thematik „Trivialisierungstendenzen gegenüber Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf als Barriere im Opferschutz erkennen“. Sara Segat ist Erziehungswissenschaftlerin und hat langjährig in der Arbeit mit Menschen mit sehr hohem Unterstützungsbedarf und deren Eltern in der direkten Begleitung gearbeitet und ist Lehrende am Institut für Sozialpädagogik in Stams. Die vermeidbaren Erscheinungsformen struktureller und kultureller Gewalt gegenüber Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf und die Trivialisierung als Ausdruck der eigenen Hilflosigkeit im sozialen Umfeld und dem Helfersystem wurden den Teilnehmenden der Veranstaltung eindrucksvoll vermittelt. Aufbauend auf den Ausführungen von Sara Segat widmete sich Natalie Knapp, langjährige Mitarbeiterin des Kinderschutzzentrums und selbstständig tätige Psychotherapeutin in Innsbruck, dem Thema „Barrierefreier Kinderschutz – gemeinsam Verantwortung übernehmen“ und beleuchtete die Barrieren in der Prävention und im Schutz von Minderjährigen im Kontext von Grenzüberschreitungen und sexuellem Missbrauch. Obwohl in zahlreichen internationalen Studien das erhöhte Risiko für derartige Übergriffe an Menschen mit Behinderungen zweifelsfrei belegt ist, suchen nur wenige dieser Betroffenen die verschiedenen Opferschutzeinrichtungen auf. Im letzten Vortrag der Fortbildung referierte Verena Lerchster über „Gehört werden trotz Kommunikationsbarrieren – Unterstützte Kommunikation als Voraussetzung im Kinder- und Opferschutz“ der darauf abzielte, Verständnis für Kommunikationsbarrieren zu wecken, die Grundlagen der Unterstützten Kommunikation zu erklären und anhand von Praxisbeispielen konkrete Ideen für die Arbeit im Gewaltschutz abzuleiten. Die Erziehungswissenschafterin und diplomierte Sonderpädagogin ist Mitarbeiterin im Verein Lebenswelt tirol – sprachwerkstatt und verfügt über eine umfangreiche Ausbildung in Unterstützer Kommunikation, zertifiziert nach dem Standard der Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation. Der Kommunikationsaufbau- und -ausbau unter Zuhilfenahme verschiedenster Kommunikations- und Hilfsmittel aus der Unterstützten Kommunikation (Gebärden, iPad, Pictogramme, Fotos, Sprachausgabegeräte, …), jeweils individuell zugeschnitten auf die Bedürfnisse der Klient:innen sind nicht nur Ergänzung, sondern Voraussetzung für die Opferschutzarbeit. Denn: wie sollen wir Menschen schützen, wenn wir sie nicht verstehen. Nicht sprechen zu können darf kein Ausschluss vom Schutz sein.
Zurück